Posts mit dem Label Interview werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Interview werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 17. März 2009

Interview #5: Friedrich K.

Also eines ist klar: Friedrich Kittler ist kein Stones-Fan! Ich hatte schon mein letztes Interview dieser Reihe den Bach runter gehen sehen, als Professor Kittler mir in seiner Sprechstunde eröffnete, dass er viel lieber die Beatles gehört habe und immer noch ein ausgeprägter Fan von Pink Floyd sei (die nun einmal an dieser Stelle so gar nicht thematisiert werden sollen). Aber dann konnte ich ihn doch noch für eine intellektuelle Auseinandersetzung mit den - in seinen Augen - "brutalistischen" Rolling Stones interessieren.



Die zweite Hälfte der 60er Jahre hat Kittler studierend in Freiburg verbracht, so dass er all diese Songs durch die Jukebox im Studentencafé kennengelernt hat.

Auch Kittler spricht von einer "ideologischen Front", die zwischen den Rolling Stones-Hörern und denen der Beatles verlief. Allerdings beschreibt er dies auf einer Ebene, die in dieser Klarheit bei meinen anderen Interviewpartnern so nicht beschrieben wurde und auch noch zu überprüfen wäre:

Die Polarisierung der Fans vollzog sich nach Kittler nicht nur an der Demarkationslinie des eigenen Musikgeschacks, sondern es scheint auch einen vertikalen Klassenzusammenhang zu geben, welche Musik man nun hörte und welche nicht. Die angehenden Akademiker hörten auf ihren WG-Parties Pink Floyd und György Ligeti, die Rolling Stones waren der "Soundtrack des einfachen Volkes".

Hier kommt ein wertkonservativer Gedanke in die Diskussion, der sich - aus meiner Sicht - mit den Intentionen und Gedanken der 68er und des Aufbrechens alter Gesellschaftsstrukturen kaum vertragen mag. Jedoch scheint die Identifikation mit Musik und Kultur als Repräsentationsmittel und Versicherung der eigenen Rolle und Identität auch heute noch ungebrochen. Sonst müssten wir uns vermutlich nicht mit solch poststrukturalistischen Vokabeln wie "high/low brow" herumschlagen.

Sehr interessant war es auf jeden Fall, die Inhalte der mir aus dem Seminar bekannten Texte aus Kittlers Mund zu lauschen, was die wunderbare Möglichkeit der Ergänzungen mit sich brachte, die oftmals über die bekannten Textinhalte hinaus gingen.

Kittlers Ansatz blieb natürlich auch in unserem Gespräch technisch-deterministisch. Im Rahmen seiner Laudatio für Bran Eno an der (heutigen) UDK Berlin thematisierte er seinen Ansatz, das diese Art von Musik nur in Großbritannien entstehen konnte: als Crossover-Kultur von europäischer Hochtechnologie und amerikanischen Rhythm & Blues. Diese Herleitung wurde ihm anscheinend von Brian Eno bestätigt, im persönlichen Gespräch nach der Laudatio anhand dessen eigener Sozialisation. Dieser Gedanke scheint aber gleichzeitig auch ein Teil von Kittlers offenbar langjährigen Auseinandersetzung mit Dietrich Dietrichsen zu sein … Es ist kaum zu glauben, welchen Einfluss die Rolling Stones auf unser heutiges Leben haben ;)

Quellenangaben zu den Fotos:
Bild 1: Friedrich Kittler, Quelle: kunstradio.at
Bild 2: Dietrich Dietrichsen, Quelle: Wikipedia

Samstag, 28. Februar 2009

Interview #4: Hartwig W.

Interview #3: Hartwig W., Berliner Abiturient des Jahres 1965 ist ein wirklich großer Rolling Stones-Fan. Als ich ihn zum Interview getroffen habe, hatte er einen ganzen Beutel voll mit Stones-Devotionalien dabei, die er während des Interviews Stück für Stück auspackte. Für ihn als Kind des Berliner Nachkriegsbürgertums waren die Rolling Stones eine kontrapunktische Blaupause für das damalige deutsche Alltagsleben.



Auch wenn er anscheinend ein ganz braver Bube war, hat er die gesellschaftliche Situation im Berlin um 1965 schon als Aufbruchstimmung wahrgenommen. Für Hartwig W. scheinen die Rolling Stones zugleich Katalysator als auch Manifestation zu sein, wenn er von der "Alltagsrebellion" spricht, dem Aufruhr gegen die Eltern und die bewusste Abkehr vom bundesrepublikanischen Gestern. Musikalisch und politisch wurden bestehende Grenzen überschritten, die Musik gab den Jugendlichen von damals die Kraft dazu.

In Hartwigs Augen wollten die Rolling Stones immer extraordinär sein, um sich von den übrigen Bands zu unterscheiden. Der mehrfache Imagewechsel diente in seinen Augen größtenteils dazu. Allerdings scheinen die Stones, je tiefer sie sich in Drogen und Geld verloren, auch ihre künstlerische Qualität verloren zu haben. Die schwächste Phase der Rolling Stones sieht Hartwig W. in den 70er Jahren, wo sie entweder ganz verschwunden waren oder halbherzige Soloprojekte machten.

Auch wenn die Rolling Stones sich nie so gezielt in einem politischen Kontext positioniert hatten, wie andere Künstler der Zeit, sieht Hartwig W. in ihrem Wirken dennoch eine politische Message. Das Publikum ist mit den Rolling Stones älter geworden und hat mit ihnen einige politische Phasen durchlebt. Somit ist schwer zu sagen, ob die Stones konservativer wurden, oder die westliche Gesellschaft (z.B. in der neokonservativen Ära von Reagan und Thatcher in den 80er Jahren) und damit auch die Fans wiederum ihren Einfluss auf die Rolling Stones und deren Schaffen ausübten.

Das Politische bei den Rolling Stones ist jedoch in Hartwig W.s Wahnehmung im Laufe der Jahre immer mehr verloren gegangen, so dass die Band ab den 80er Jahren für ihn zum "Botschafter ihres eigenen Werdegangs" wurden. Das mag nachvollziehbar zu sein, den nur wenige Band haben eine ähnlich lang andauernde Karriere zustande gebracht. Jene, die es geschafft haben, werden mittlerweile als unantastbarer Mythos wahrgenommen, genau wie die Rolling Stones. Die Rolling Stones dienen mittlerweile der ersten Fan-Generation als positive Indentifikations- und Kraftquelle für die eigene Biografie, und darin unterscheiden diese sich nicht von den 15-jährigen Teenies und ihrem Verhältnis zu ihren Helden. "Sie haben überlebt" sagt Hartwig W. - und die Fans mit ihnen.

Quellenangaben zum Foto:
Bild 1: The New York Times. Times Topics - Rolling Stones News. Quelle: Bettmann/Corbis

Mittwoch, 28. Januar 2009

Interview #3: Rani T.

Interview #3: Rani T. war noch Schülerin im altsprachlichen Gymnasium, als sie in Frankfurt über das American Forces Network (AFN) mit Rock'n'Roll in Berührung kam. Für die westdeutsche Jugend in den Fünfziger Jahren war es anscheinend eine harte Zeit. Zwischen Nierentisch und Salzstangen eingezwängt, scheint es aus heutiger Sicht fast schon eine natürliche Entwicklung zur Studentenrevolte und den Kampf um die individuelle Freiheit.



Auffällig bei diesem Interview war wieder einmal, das auch Rani mehrmals den direkten Vergleich zwischen den Beatles und den Rolling Stones zog, ebenso wie meine vorherigen Gesprächspartner Burkhart H. und Klaus G. Es scheint auch heute noch zwischen diesen beiden Bands ein besonderes (auch medial forciertes) Verhältnis in unserem kulturellen Gedächtnis zu existieren, welches für die jungen Fans in den Sechziger Jahren eine Art "Glaubensfrage" darstellte, die sich bis heute in der Erinnerung durchschlägt, selbst wenn man sich selber retrospektiv gar nicht als ein eindeutiger Fan einschätzt.

Für Rani T. erschienen die Rolling Stones wilder, unmittelbarer und weniger zivilisiert als die Beatles, was sich offensichtlich auch in den Konzerten der Band und dem Verhalten des Publikums niederschlug. Zwar wurde die Konzerthalle in Frankfurt nicht zu Kleinholz verarbeitet, wie die Waldbühne in Berlin, aber in Ranis Erinnerung war auch das von ihr in Frankfurt besuchte Rolling Stones-Konzert eine chaotische Veranstaltung. Und auch in Frankfurt wirkte die Band drogenbedingt derangiert. Auch hier war es nur ein kurzes Konzert, bis die Musiker von der Bühne verschwanden. Ich denke, dass dieses immer wiederkehrende Verhalten der Rolling Stones in ihren frühen Jahren einen wichtigen Teil davon ausmacht, wie sich ihr Ruf und ihr Image in den weiteren Jahren entwickelte.

Auch Rani ist dem Gerücht von Altamont aufgesessen, dass die Stones dort "Sympathy for the Devil" spielten, als der Zwischenfall mit den Hells Angels geschah. Aber auch wie meine bisherigen Gesprächspartner kommt Rani zu der Einschätzung, dass dies weder die Schuld noch der Verdienst der Rolling Stones war. Vielmehr fragt sie, was für ein Begriff das Teuflische in seinem Verhältnis zu den Rolling Stones überhaupt einnimmt?

Die Rolling Stones (und der Rock'n'Roll überhaupt) stellen für Rani einen Archetyp des Rohen dar, wovon man sich als zivilisierter Mensch im Laufe seiner Entwicklung normalerweise wegbewegt. Die Rolling Stones haben den kulturell rohen und rauen Elementen in ihrer künstlerischen Entwicklung immer freien Lauf gelassen und das als kreatives Potential genutzt. Somit erscheint die den Stones immer wieder nachgesagte Affinität zum Teuflischen als "Spiel mit dem Feuer", um sich im Sinne des Rocks in ihrer Kreativität immer weiter zu entwickeln.

Rani sagt, dass der Teufel in jedem Menschen stecke und immer auch ein Teil der eigenen Seele sei. Diesen in Schach zu halten, scheint eine Kunst, die sich weniger im Satanismus o.ä. Phänomenen manifestiert, als eher eine lebensbegleitende Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Existenz zu sein scheint... womit ich, auf meinen vorherigen Blogeintrag verweisend, auch schließen möchte.


Quellenangaben zu den Fotos:
Bild 1: Original caption: 9/11/1973-Frankfurt, Germany - Mick Jagger arriving in Frankfurt for the start of the German leg of his rock troupe's 1973 European tour. Quelle: Corbis

Dienstag, 30. Dezember 2008

Interview #2: Klaus G.



Rollback: Interview #2 mit Klaus G., der 1965 zarte 16 Jahre alt war und unbedingt auf das Konzert der Rolling Stones in der Waldbühne wollte. Bei der Recherche zu diesem Blog bin ich über einen Beitrag von Klaus in den Foren des Rolling Stones-Magazins gestolpert. 2005 hatte dort jemand Interviewpartner für einen geplanten Dokumentarfilm über die Ereignisse in der Waldbühne gesucht und Klaus war so nett, seine Email-Adresse zu hinterlassen, so dass ich auch noch drei Jahre später mit ihm in Kontakt treten konnte.



Einen weiteren Augenzeugenbericht habe ich hier gefunden. Ralf Reinders erzählt in diesem Interview, dass viele jugendliche "Gammler" immer wieder auf starke Antipathien in der damaligen Gesellschaft stießen. Klaus G. sagt, jene Jahre waren eine Zeit des Aufbruchs und der Befreiung. Somit haben wir 1965 beim Konzert eine "problematische" Konstallation gehabt. Hunderte von (teilweise wegen Geldknappheit für lau reingeschummelte) Jugendliche, die auf jeden Fall ihre Idole spielen sehen wollten und sich bereits schon vor dem Konzert mit einem Aufgebot an Staatsmacht konfrontiert sahen, wie es später bei Fußballspielen von Hertha BSC und dem BFC Dynamo üblich werden sollte.

Der Unterschied liegt jedoch in der Selbstinszenierung der Polizei. Anscheinend war der Auftritt der Polizisten 1965 alles andere als deeskalierend gedacht. Reinders beschreibt Polizeiabsperrungen bereits vor dem Konzert und eine berittene Staffel. Er spricht davon, dass an diesem Abend viele - sonst eher unpolitische - Besucher einen "Hass auf die Bullen hatten". Halten wir also fest: Es scheint bereits vor dem Konzert zumindest zur indirekten Konfrontation mit der Polizei gekommen zu sein.

Irgendwann kamen dann die Rolling Stones mit Verspätung auf die Bühne und spielten, anscheinend bereits etwas zugedröhnt, drei bis vier Lieder bevor sie die enttäuschten Fans im Dunkeln in der Waldbühne stehen ließen. Da kochte der Topf endgültig über. Die Polizei kesselte das Publikum ein und benutze Wasserwerfer, um das enttäuschte Publikum im Zaum zu halten. Die Schlacht tobte auch noch außerhalb der Waldbühne weiter. "Es war wie im Krieg", sagt Klaus G. - die Berliner S-Bahn war im Ausnahmezustand, die Polizei gerierte sich als "wilde Horde".

Aber davon werden die Rolling Stones wohl nicht mehr viel mitbekommen haben. Und selbst wenn, bleibt es fraglich, ob es sie überhaupt interessiert hätte. In den Medien waren es dann allerdings die Rolling Stones mit ihrem Rock'n'Roll, welche die Fans haben durchdrehen lassen. Wie vom Teufel getrieben.

Aber war das jetzt politisch? Ralf Reinders erwähnt im Interview, dass sich unter den randalierenden Stonesfans auch Leute befanden, die später zur Bewegung 2. Juni stießen. Waren die Rolling Stones politisch? Klaus G. sagt, sie wären es nicht gewesen. Auch Burkhart H. deutete in meinem ersten Interview an, dass man sich in späten 60ern in Berlin Stonesfan sein konnte, ohne zwangsläufig mit der Studentenbewegung der 68er an den Universitäten konfrontiert zu werden. Der Aufmarsch der Polizei zum Stones-Konzert 1965 lässt allerdings an die Konfrontationen nur drei Jahre später erinnern.

"Sympathy for the Devil" sollte erst noch geschrieben werden. Die Rolling Stones machten 1965 auf der Bühne ja einen ganz zufriedenen Eindruck. Auch die Jugendlichen im Jahre 1965 wollten "Satisfaction". Sie waren offensichtlich nicht zufrieden mit dem, was ihnen die Gesellschaft da in Aussicht stellte. Und wie sich zeigen sollte, waren nicht wenige dieser Jugendlichen nur drei Jahre später entgültig bereit, dafür zu kämpfen.


Quellenangaben zu den Fotos:

Bild 1: "Ostberliner Rolling Stones Fans, 1965." Quelle: Eulenspiegel, 3. Oktoberheft 1965, Nr. 42 (gefunden unter http://www.jugendopposition.de/index.php?id=2683)
Bild 2: "Zeitungsartikel: Beatmusik als 'Nervengift des Klassenfeindes'", Im Bild: ein Artikel der Bild-Zeitung, der im Neuen Deutschland veröffentlicht wurde. Quelle: Neues Deutschland vom 17. September 1965, S. 4 (gefunden unter http://www.jugendopposition.de/index.php?id=2683)


Sonntag, 16. November 2008

Interview #1: Burkhart H.

Ich bin den geneigten Lesern dieses Blogs noch die Quelle meiner Informationen zur Premiere von Godards "One Plus One" in London schuldig. Auf meinem Streifzug im Netz bin ich auf Gary Elshaws Master-Thesis gestoßen, welche er im November 2000 an der Universität von Wellington (NZ) eingereicht hat: "The Depiction of late 1960's Counter Culture in the 1968 films of Jean-Luc Godard" - darin das Kapitel über "One Plus One". Das Werk wurde unter Creative Commons Lizenz im Netz veröffentlicht und ist netterweise auch als .html abrufbar.

Beim Konzert der Rolling Stones in der Berliner Waldbühne liegen Fans im Clinch mit den Ordnern. Quelle:  Bildarchiv Preussischer KulturbesitzOkay, nun zum Interview#1 - der erste Versuch direkt aus der Nachbarschaft. Burkhart H. ist Lehrer in Berlin und war 1965 auf dem Stones-Konzert in der Waldbühne, bei dem es zu Ausschreitungen bis dato unbekannter Größe unter den meist jugendlichen Besuchern des Konzertes kam. Burkharts Jugend im Berlin der 60er Jahre wurde zu einem großen Maße durch die Musik der Rolling Stones (und den anderen Bands dieser Zeit) geprägt. Er hört sie auch heute noch.

Für Burkhart ist "Sympathy for the Devil" ein Stones-Song von vielen, wenn auch ein guter. In diesem Interview also ein Blick in die Berliner Geschichte: wie man in den Berliner Jugendheimen Musik austauschte, Berliner Coverbands der 60er, Burkharts Wahrnehmung der Ereignisse beim Stones-Konzert in der Berliner Waldbühne, ein persönlicher Rückblick auf '68 und über die Bedeutung der Stones für Burkharts weiteres Leben. Viel Spaß beim Hören. Unter dem Interview folgen meine Gedanken zu Burkharts Statements.



Es wird wohl schwieriger als gedacht, Menschen zu finden, die gerade mit "Sympathy for the Devil" ein besonderes Verhältnis verbindet. Was lese ich nun aus den Worten meines ersten Interviewpartners?

Besonders interessant finde ich seine Aussage zu den deutschen Rezeptionsmechanismen der damaligen Zeit, welche sich auch ohne Abstriche auf die heutige Musikrezeption deutscher Jugendlicher übertragen lassen: Der durchschnittliche Hörer englischsprachiger Popmusik versteht die Texte nicht und schlägt diese auch nicht nach, um sie zu übersetzen! Burkhart betont im Interview, dass seine Rezeption der englischsprachigen Songs und die seiner Freunde vollständig über die Melodien lief. Welche Bedeutung hat dies für unsere Ableitungen? Wir analysieren die im Text verarbeiteten historischen Ereignisse, betreiben Textexegese und bilden dies auf die Biografie und mediale Dokumentation des Phänomens "Rolling Stones" ab. Aber wie steht es um die aus der Stones-Rezeption resultierenden Handlungen ihrer Hörer? Zu welchen "teuflischen" Handlungen konnten die Stones sie verführen, wenn diese nicht einmal ihre Sprache richtig verstanden? Doch nicht etwa zum Zertrümmern der Waldbühne ;) ?

Demonstration gegen den Vietnam-Krieg, Berlin 1968 (Bild: AP Archiv)Des weiteren möchte ich noch kurz auf Burkharts Ausführungen zur der Situation 1968 in Berlin eingehen. Bemerkenswert finde ich seine Einschätzung, dass man in Berlin mit den damaligen Ereignissen nicht zwangsläufig in direkten Kontakt kommen musste, selbst wenn man zu dieser Zeit dort studierte. Ich bin mir bewußt, dass die FU Berlin auch damals schon eine Massenuniversität war, wie sie auch heute ist. Auch ist mir bewußt, dass eine bestimmte politische Disposition nötig war, um an den Ereignissen der Zeit zu partizipieren. Burkharts Schilderungen erinnern mich an die heutige Zeit und seine Wahrnehmung lässt sich m.E. leicht auf das politische Engagement heutiger Studenten übertragen, z.B. in der Diskussion und Agitation zur Mobilmachung im Kommilitonenkreis gegen Studiengebühren vor einigen Jahren. Die große Masse der Studentschaft hatte diesbezüglich keine dezidierte Meinung und verhielt sich größtenteils unpolitisch. Überspitzt könnte man meinen, dass auch damals eine Minderheit ihre revolutionären Gedanken in die Gesellschaft trug, während die Mehrheit (auch in der Studentenschaft) gar nicht davon tangiert wurde. Somit hätte im Falle der 68er eine Minderheit nachhaltig große gesellschaftliche Änderungen bewirkt …

Quellenangaben zu den Fotos:

1. "Beim Konzert der Rolling Stones in der Berliner Waldbühne liegen Fans im Clinch mit den Ordnern." Quelle: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz (gefunden unter http://einestages.spiegel.de)
2. "Demonstration gegen den Vietnam-Krieg, Berlin 1968." Bild: AP Archiv (gefunden unter http://www.dradio.de)