Interview #3: Rani T. war noch Schülerin im altsprachlichen Gymnasium, als sie in Frankfurt über das American Forces Network (AFN) mit Rock'n'Roll in Berührung kam. Für die westdeutsche Jugend in den Fünfziger Jahren war es anscheinend eine harte Zeit. Zwischen Nierentisch und Salzstangen eingezwängt, scheint es aus heutiger Sicht fast schon eine natürliche Entwicklung zur Studentenrevolte und den Kampf um die individuelle Freiheit.
Auffällig bei diesem Interview war wieder einmal, das auch Rani mehrmals den direkten Vergleich zwischen den Beatles und den Rolling Stones zog, ebenso wie meine vorherigen Gesprächspartner Burkhart H. und Klaus G. Es scheint auch heute noch zwischen diesen beiden Bands ein besonderes (auch medial forciertes) Verhältnis in unserem kulturellen Gedächtnis zu existieren, welches für die jungen Fans in den Sechziger Jahren eine Art "Glaubensfrage" darstellte, die sich bis heute in der Erinnerung durchschlägt, selbst wenn man sich selber retrospektiv gar nicht als ein eindeutiger Fan einschätzt.
Für Rani T. erschienen die Rolling Stones wilder, unmittelbarer und weniger zivilisiert als die Beatles, was sich offensichtlich auch in den Konzerten der Band und dem Verhalten des Publikums niederschlug. Zwar wurde die Konzerthalle in Frankfurt nicht zu Kleinholz verarbeitet, wie die Waldbühne in Berlin, aber in Ranis Erinnerung war auch das von ihr in Frankfurt besuchte Rolling Stones-Konzert eine chaotische Veranstaltung. Und auch in Frankfurt wirkte die Band drogenbedingt derangiert. Auch hier war es nur ein kurzes Konzert, bis die Musiker von der Bühne verschwanden. Ich denke, dass dieses immer wiederkehrende Verhalten der Rolling Stones in ihren frühen Jahren einen wichtigen Teil davon ausmacht, wie sich ihr Ruf und ihr Image in den weiteren Jahren entwickelte.
Auch Rani ist dem Gerücht von Altamont aufgesessen, dass die Stones dort "Sympathy for the Devil" spielten, als der Zwischenfall mit den Hells Angels geschah. Aber auch wie meine bisherigen Gesprächspartner kommt Rani zu der Einschätzung, dass dies weder die Schuld noch der Verdienst der Rolling Stones war. Vielmehr fragt sie, was für ein Begriff das Teuflische in seinem Verhältnis zu den Rolling Stones überhaupt einnimmt?
Die Rolling Stones (und der Rock'n'Roll überhaupt) stellen für Rani einen Archetyp des Rohen dar, wovon man sich als zivilisierter Mensch im Laufe seiner Entwicklung normalerweise wegbewegt. Die Rolling Stones haben den kulturell rohen und rauen Elementen in ihrer künstlerischen Entwicklung immer freien Lauf gelassen und das als kreatives Potential genutzt. Somit erscheint die den Stones immer wieder nachgesagte Affinität zum Teuflischen als "Spiel mit dem Feuer", um sich im Sinne des Rocks in ihrer Kreativität immer weiter zu entwickeln.
Rani sagt, dass der Teufel in jedem Menschen stecke und immer auch ein Teil der eigenen Seele sei. Diesen in Schach zu halten, scheint eine Kunst, die sich weniger im Satanismus o.ä. Phänomenen manifestiert, als eher eine lebensbegleitende Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Existenz zu sein scheint... womit ich, auf meinen vorherigen Blogeintrag verweisend, auch schließen möchte.
Quellenangaben zu den Fotos:
Bild 1: Original caption: 9/11/1973-Frankfurt, Germany - Mick Jagger arriving in Frankfurt for the start of the German leg of his rock troupe's 1973 European tour. Quelle: Corbis
Auffällig bei diesem Interview war wieder einmal, das auch Rani mehrmals den direkten Vergleich zwischen den Beatles und den Rolling Stones zog, ebenso wie meine vorherigen Gesprächspartner Burkhart H. und Klaus G. Es scheint auch heute noch zwischen diesen beiden Bands ein besonderes (auch medial forciertes) Verhältnis in unserem kulturellen Gedächtnis zu existieren, welches für die jungen Fans in den Sechziger Jahren eine Art "Glaubensfrage" darstellte, die sich bis heute in der Erinnerung durchschlägt, selbst wenn man sich selber retrospektiv gar nicht als ein eindeutiger Fan einschätzt.
Für Rani T. erschienen die Rolling Stones wilder, unmittelbarer und weniger zivilisiert als die Beatles, was sich offensichtlich auch in den Konzerten der Band und dem Verhalten des Publikums niederschlug. Zwar wurde die Konzerthalle in Frankfurt nicht zu Kleinholz verarbeitet, wie die Waldbühne in Berlin, aber in Ranis Erinnerung war auch das von ihr in Frankfurt besuchte Rolling Stones-Konzert eine chaotische Veranstaltung. Und auch in Frankfurt wirkte die Band drogenbedingt derangiert. Auch hier war es nur ein kurzes Konzert, bis die Musiker von der Bühne verschwanden. Ich denke, dass dieses immer wiederkehrende Verhalten der Rolling Stones in ihren frühen Jahren einen wichtigen Teil davon ausmacht, wie sich ihr Ruf und ihr Image in den weiteren Jahren entwickelte.Auch Rani ist dem Gerücht von Altamont aufgesessen, dass die Stones dort "Sympathy for the Devil" spielten, als der Zwischenfall mit den Hells Angels geschah. Aber auch wie meine bisherigen Gesprächspartner kommt Rani zu der Einschätzung, dass dies weder die Schuld noch der Verdienst der Rolling Stones war. Vielmehr fragt sie, was für ein Begriff das Teuflische in seinem Verhältnis zu den Rolling Stones überhaupt einnimmt?
Die Rolling Stones (und der Rock'n'Roll überhaupt) stellen für Rani einen Archetyp des Rohen dar, wovon man sich als zivilisierter Mensch im Laufe seiner Entwicklung normalerweise wegbewegt. Die Rolling Stones haben den kulturell rohen und rauen Elementen in ihrer künstlerischen Entwicklung immer freien Lauf gelassen und das als kreatives Potential genutzt. Somit erscheint die den Stones immer wieder nachgesagte Affinität zum Teuflischen als "Spiel mit dem Feuer", um sich im Sinne des Rocks in ihrer Kreativität immer weiter zu entwickeln.
Rani sagt, dass der Teufel in jedem Menschen stecke und immer auch ein Teil der eigenen Seele sei. Diesen in Schach zu halten, scheint eine Kunst, die sich weniger im Satanismus o.ä. Phänomenen manifestiert, als eher eine lebensbegleitende Auseinandersetzung mit sich selbst und der eigenen Existenz zu sein scheint... womit ich, auf meinen vorherigen Blogeintrag verweisend, auch schließen möchte.
Quellenangaben zu den Fotos:
Bild 1: Original caption: 9/11/1973-Frankfurt, Germany - Mick Jagger arriving in Frankfurt for the start of the German leg of his rock troupe's 1973 European tour. Quelle: Corbis

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