Ich bin den geneigten Lesern dieses Blogs noch die Quelle meiner Informationen zur Premiere von Godards "One Plus One" in London schuldig. Auf meinem Streifzug im Netz bin ich auf Gary Elshaws Master-Thesis gestoßen, welche er im November 2000 an der Universität von Wellington (NZ) eingereicht hat: "The Depiction of late 1960's Counter Culture in the 1968 films of Jean-Luc Godard" - darin das Kapitel über "One Plus One". Das Werk wurde unter Creative Commons Lizenz im Netz veröffentlicht und ist netterweise auch als .html abrufbar.
Okay, nun zum Interview#1 - der erste Versuch direkt aus der Nachbarschaft. Burkhart H. ist Lehrer in Berlin und war 1965 auf dem Stones-Konzert in der Waldbühne, bei dem es zu Ausschreitungen bis dato unbekannter Größe unter den meist jugendlichen Besuchern des Konzertes kam. Burkharts Jugend im Berlin der 60er Jahre wurde zu einem großen Maße durch die Musik der Rolling Stones (und den anderen Bands dieser Zeit) geprägt. Er hört sie auch heute noch.
Für Burkhart ist "Sympathy for the Devil" ein Stones-Song von vielen, wenn auch ein guter. In diesem Interview also ein Blick in die Berliner Geschichte: wie man in den Berliner Jugendheimen Musik austauschte, Berliner Coverbands der 60er, Burkharts Wahrnehmung der Ereignisse beim Stones-Konzert in der Berliner Waldbühne, ein persönlicher Rückblick auf '68 und über die Bedeutung der Stones für Burkharts weiteres Leben. Viel Spaß beim Hören. Unter dem Interview folgen meine Gedanken zu Burkharts Statements.
Es wird wohl schwieriger als gedacht, Menschen zu finden, die gerade mit "Sympathy for the Devil" ein besonderes Verhältnis verbindet. Was lese ich nun aus den Worten meines ersten Interviewpartners?
Besonders interessant finde ich seine Aussage zu den deutschen Rezeptionsmechanismen der damaligen Zeit, welche sich auch ohne Abstriche auf die heutige Musikrezeption deutscher Jugendlicher übertragen lassen: Der durchschnittliche Hörer englischsprachiger Popmusik versteht die Texte nicht und schlägt diese auch nicht nach, um sie zu übersetzen! Burkhart betont im Interview, dass seine Rezeption der englischsprachigen Songs und die seiner Freunde vollständig über die Melodien lief. Welche Bedeutung hat dies für unsere Ableitungen? Wir analysieren die im Text verarbeiteten historischen Ereignisse, betreiben Textexegese und bilden dies auf die Biografie und mediale Dokumentation des Phänomens "Rolling Stones" ab. Aber wie steht es um die aus der Stones-Rezeption resultierenden Handlungen ihrer Hörer? Zu welchen "teuflischen" Handlungen konnten die Stones sie verführen, wenn diese nicht einmal ihre Sprache richtig verstanden? Doch nicht etwa zum Zertrümmern der Waldbühne ;) ?
Des weiteren möchte ich noch kurz auf Burkharts Ausführungen zur der Situation 1968 in Berlin eingehen. Bemerkenswert finde ich seine Einschätzung, dass man in Berlin mit den damaligen Ereignissen nicht zwangsläufig in direkten Kontakt kommen musste, selbst wenn man zu dieser Zeit dort studierte. Ich bin mir bewußt, dass die FU Berlin auch damals schon eine Massenuniversität war, wie sie auch heute ist. Auch ist mir bewußt, dass eine bestimmte politische Disposition nötig war, um an den Ereignissen der Zeit zu partizipieren. Burkharts Schilderungen erinnern mich an die heutige Zeit und seine Wahrnehmung lässt sich m.E. leicht auf das politische Engagement heutiger Studenten übertragen, z.B. in der Diskussion und Agitation zur Mobilmachung im Kommilitonenkreis gegen Studiengebühren vor einigen Jahren. Die große Masse der Studentschaft hatte diesbezüglich keine dezidierte Meinung und verhielt sich größtenteils unpolitisch. Überspitzt könnte man meinen, dass auch damals eine Minderheit ihre revolutionären Gedanken in die Gesellschaft trug, während die Mehrheit (auch in der Studentenschaft) gar nicht davon tangiert wurde. Somit hätte im Falle der 68er eine Minderheit nachhaltig große gesellschaftliche Änderungen bewirkt …
Quellenangaben zu den Fotos:
1. "Beim Konzert der Rolling Stones in der Berliner Waldbühne liegen Fans im Clinch mit den Ordnern." Quelle: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz (gefunden unter http://einestages.spiegel.de)
2. "Demonstration gegen den Vietnam-Krieg, Berlin 1968." Bild: AP Archiv (gefunden unter http://www.dradio.de)
Okay, nun zum Interview#1 - der erste Versuch direkt aus der Nachbarschaft. Burkhart H. ist Lehrer in Berlin und war 1965 auf dem Stones-Konzert in der Waldbühne, bei dem es zu Ausschreitungen bis dato unbekannter Größe unter den meist jugendlichen Besuchern des Konzertes kam. Burkharts Jugend im Berlin der 60er Jahre wurde zu einem großen Maße durch die Musik der Rolling Stones (und den anderen Bands dieser Zeit) geprägt. Er hört sie auch heute noch.Für Burkhart ist "Sympathy for the Devil" ein Stones-Song von vielen, wenn auch ein guter. In diesem Interview also ein Blick in die Berliner Geschichte: wie man in den Berliner Jugendheimen Musik austauschte, Berliner Coverbands der 60er, Burkharts Wahrnehmung der Ereignisse beim Stones-Konzert in der Berliner Waldbühne, ein persönlicher Rückblick auf '68 und über die Bedeutung der Stones für Burkharts weiteres Leben. Viel Spaß beim Hören. Unter dem Interview folgen meine Gedanken zu Burkharts Statements.
Es wird wohl schwieriger als gedacht, Menschen zu finden, die gerade mit "Sympathy for the Devil" ein besonderes Verhältnis verbindet. Was lese ich nun aus den Worten meines ersten Interviewpartners?
Besonders interessant finde ich seine Aussage zu den deutschen Rezeptionsmechanismen der damaligen Zeit, welche sich auch ohne Abstriche auf die heutige Musikrezeption deutscher Jugendlicher übertragen lassen: Der durchschnittliche Hörer englischsprachiger Popmusik versteht die Texte nicht und schlägt diese auch nicht nach, um sie zu übersetzen! Burkhart betont im Interview, dass seine Rezeption der englischsprachigen Songs und die seiner Freunde vollständig über die Melodien lief. Welche Bedeutung hat dies für unsere Ableitungen? Wir analysieren die im Text verarbeiteten historischen Ereignisse, betreiben Textexegese und bilden dies auf die Biografie und mediale Dokumentation des Phänomens "Rolling Stones" ab. Aber wie steht es um die aus der Stones-Rezeption resultierenden Handlungen ihrer Hörer? Zu welchen "teuflischen" Handlungen konnten die Stones sie verführen, wenn diese nicht einmal ihre Sprache richtig verstanden? Doch nicht etwa zum Zertrümmern der Waldbühne ;) ?
Quellenangaben zu den Fotos:
1. "Beim Konzert der Rolling Stones in der Berliner Waldbühne liegen Fans im Clinch mit den Ordnern." Quelle: Bildarchiv Preussischer Kulturbesitz (gefunden unter http://einestages.spiegel.de)
2. "Demonstration gegen den Vietnam-Krieg, Berlin 1968." Bild: AP Archiv (gefunden unter http://www.dradio.de)

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