Sonntag, 9. November 2008

"One Plus One" netvisited

"One toke? You poor fool! Wait till you see those goddamn bats. I could barely hear the radio...slumped over on the far side of the seat, grappling with a tape recorder turned all the way up on "Sympathy for the Devil." That was the only tape we had, so we played it constantly, over and over, as a kind of demented counterpoint to the radio. And also to maintain our rhythm on the road."

Fear and Loathing in Las Vegas ––Hunter S. Thompson

Godard hat in seinem Film "One Plus One" die Entstehungsgeschichte des Stones-Song "Sympathy for the Devil" dokumentiert. Bei Onkel YouTube kann man sich noch einmal den Trailer zum Film anschauen.



Ob der Trailer nun von DVD gerippt wurde oder nicht... ich finde es immer wieder faszinierend, wie sehr doch Trailer in ihrer Präsentationsform den eigentlichen Film verfremden. Besonders die Endsequenz am Strand, wo die junge Dame mit dem Filmkran hochgehieft wird und erschöpft zwischen den beiden Fahnen liegend vor dem blauen Himmel schwebt, wirkt mit der musikalischen Untermalung der Stones vollkommen anders.

Da der Film im Trailer auch mit dem Titel "Sympathy for the Devil" angekündigt wird, scheint es sich um jene Version zu handeln, an deren Ende ohne Godards Wissen von den Produzenten die fertigen Version des Stones-Stückes untergelegt wurde. Einer der Produzenten war u.a. Iain Quarrier, welcher auch in Godards Film den faschistischen Pornoheft-Verkäufer darstellt. Nachdem Godard vergeblich das Publikum bei der Premiere des Films am 30. November 1968 auf dem London Film Festival aufgefordert hatte, sich das Geld wegen dieser Manipulation an seinem Film zurückgeben zu lassen, verpasste er Iain Quarrier auch gleich eine, als er Wut entbrannt aus dem Saal stürzte. Vermutlich hat er Quarrier dabei auch als Faschisten beschimpft … ;)

Für Godard stand die ungewollte Überarbeitung seines geplanten, ursprünglichen Filmendes im Widerspruch mit seinem Ansatz, jegliche Enden in den unterschiedlichen Inhaltsebenen des Films zu vermeiden. Letztlich hat er ja auch den Prozess der Songwerdung ins Zentrum der Stones-Sequenz gelegt.

Die politisch-ideologische Aufladung des Bildes verändert sich m.E. dadurch nicht, aber durch den treibenden Song bekommt das Bild eine andere Stimmung. Die Endeinstellung wirkt auf mich in dieser Version wesentlich energetischer, als in Godards Directors Cut, wo nur eine gepickte Gitarre auf der Tonspur zu hören ist, bevor das Bild zum Freeze kommt. Unter den ablaufenden Credits kann man die die Tonspur der Stones im Studio hören, wie sie an ihrem Song arbeiten. Auf der einen Seite scheint die offizielle Kinoversion zu sagen: "Yeah! Es geht los, Revolution wird gemacht!!" - Auf der anderen Seite bekommt es durch den Song gleichzeitig den Charakter des Finalen, vergleichbar dem Cowboy, der am Ende des Films in den Sonnenuntergang reitet. The End.

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